Abschied nehmen

Im Mittelpunkt einer jeden Trauerbewältigung steht die bewusste und sinnhafte Wahrnehmung des erlittenen Verlustes. Der Tod eines geliebten Menschen gehört zu den besonders tragischen Erlebnissen. Wir sind kaum imstande, den Verlust eines Angehörigen zu ertragen, wenn wir nicht durch seine Krankheit nach und nach darauf vorbereitet sind.

Trauerbegleiter und Therapeuten sind sich darüber einig, dass eine Auseinandersetzung mit dem Tod notwendig ist, damit die Bewältigung der Trauer erfolgen kann. Trauerpsychologen, Mediziner, Theologen und Psychotherapeuten berufen sich auf wissenschaftliche Studien. Diese belegen, dass im Mittelpunkt einer jeden Trauer Bewältigung die bewusste Wahrnehmung des erlittenen Verlustes steht.

Besonders bei einem plötzlichen Verlust ist die Aktivierung aller Wahrnehmungssinne erforderlich, um zuerst die Situation erfassen zu können, ehe dann ein Verarbeitung und Bewältigung in Gang gesetzt werden kann. Man spricht in der Trauerpsychologie von den drei Bildern, die notwendig sind, um den Tod zu akzeptieren und ihn erfolgreich zu verarbeiten.

  • das 1. Bild ist das des lebenden, vitalen Menschen
  • das 2. Bild ist das des kranken, leidenden Menschen
  • das 3. Bild ist das Bild eines verstorbenen und erlösten Menschen.

In diesem Zusammenhang wird klar, welche schwer wiegenden Folgen die Aussage: “erhalten Sie den Verstorbenen so in Erinnerung, wie sie ihn kannten" oder: "es ist besser, der Sarg bleibt zu!" haben kann. Doch genauso fatal ist es, wenn der Verstorbene in seinem Erscheinungsbild das "Grauen " des Todes bildhaft vorführt. Wenn zum Beispiel den Hinterbliebenen ein Verstorbener mit offenem Mund und Augen, mit verschwitzten Haaren und unrasiertem Gesicht präsentiert wird.

Denn der letzte Blick auf das ruhende Gesicht des Verstorbenen entscheidet mit über die Erinnerung in der wir ihn behalten. Die Würde des Menschen endet nicht mit dem Tod und zur Würde eines Menschen gehört ein menschenwürdiges Aussehen. „Ein Toter darf nicht so aussehen, dass ihm sein Anblick, wenn er noch leben würde, peinlich wäre.“ Die Auseinandersetzung mit dem Tod, in der heutigen Gesellschaft weitestgehend verdrängt, wird durch den Anblick einer menschenwürdigen Aufbahrung wertvoller. Bestattungen werden nicht zur Entsorgung herabgewürdigt, Tradition und Kultur bleiben erhalten.

Fußspuren im Sand

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